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Eckhart Tolle

Achtsam im Moment verweilen – klingt simpel, aber ist nicht leicht: Zeitdruck, Ellenlange ToDos im Job und die Notwendigkeit, Berufliches und Privates im hektischen Alltag zu organisieren, zwingen uns häufig zum Multitasking. Multitasking ist allerdings extrem ungesund und macht uns auf Dauer effizient krank.

Akzeptanz klingt erst einmal ebenso einfach. Mit dem zufrieden zu sein, was ist, egal ob es sich in unserem bewertenden Geist als positiv oder negativ zeigt, ist eine Kunst. Wie häufig haben wir in den vergangenen Wochen Stimmen wie diese gehört: „Das ist doch kein Sommer. Immer dieser kalte Wind, der ständige Regen, diese Kälte!? “ Vielleicht hast du dich auch selbst schon dabei erwischt.

Was nützt es aber, von Sommern zu träumen, die aktuell nicht vorhanden sind? Oder jenen nachzuweinen, die vergangen sind? Es sei denn, es lässt uns dankbar sein, für das, was war. Was hilft es aber, sich zu beschweren und sein eigenes Tiefdruckgebiet im Inneren zu erschaffen? Das Wetter wird sich eben auch davon nicht beeindrucken las-sen.

Henry Thoreau hat es ganz treffend formuliert:

“You must live in the present, launch yourself on every wave, find your eternity in each moment. Fools stand on their island of opportunities and look toward another land. There is no other land; there is no other life but this.”

• Was sind deine Tendenzen?
• Was sind deine Praktiken, um dich bewusst ins Hier und Jetzt zu bringen?
• Wie fühlt es sich an, die Wellen anzunehmen und zu reiten, die schönen und die schwierigen?

Wenn du bisher keine Praxis hast, die dich zwischendurch immer mal wieder ins Hier und Jetzt führt, probiere es mit dem Atem. Der Atem kann zu einem wundervollen Anker werden, der dich zurück zu dir selbst, in deine Mitte bringt.

Der Atem ist der Spiegel unserer Gesundheit und Lebensweise. Er ist aber auch eine wichtige Res-source, wenn es darum geht, zu heilen und zu regenerieren, wieder in Balance zu kommen, Energie zu tanken. Dafür gibt es einfache Übungen, die jederzeit durchgeführt werden können. Der erste Schritt ist immer, sich des eigenen Atems bewusst zu werden, bevor wir ihn verändern. Daher star-ten wir heute mit einer Übung zur Atembeobachtung.

How To:

Kommt in einen für euch bequemen, aufrechten Sitz. Die Knie sollten dafür etwas tiefer sein als das Becken, damit ihr die Wirbelsäule mühelos und natürlich aufrichten könnt. Wurzelt die Sitzknochen (die zwei Sitzhöcker am Gesäß) auf der Sitzunterlage und kippt das Becken etwas zurück, indem ihr den Nabel nach innen und oben und das Steißbein nach unten zieht (meistens sitzen wir im Hohl-kreuz).

Richtet euch mit der Einatmung noch etwas mehr auf, rollt die Schultern über vorn zurück nach hinten und bringt das Kinn etwas zur Brust, den Hinterkopf etwas zurück, damit der Nacken schön lang wird. Mit jeder Ausatmung entspannt mehr, lasst euch in eurer Beckenschale nieder ohne je-doch die Aufrichtung entlang der Wirbelsäule zu verlieren.

Verbindet die Füße fest mit der Erde (sofern ihr auf einem Stuhl sitzt). Spürt in die Füße hinein und fühlt den Kontakt zum Boden.

Nehmt euren ganzen Körper wahr – vom Kopf bis zu den Füßen. Wo fühlt es sich eng an? Wo schmerzt es? Wo bemerkt ihr Verspannungen – schickt den Atem bewusst in diese Körperstellen.

Kommt nun mit eurer Aufmerksamkeit zur Stirn. Entspannt die Stirn, das Gesicht, den Unterkiefer. Kommt zum Nacken. Entspannt den Nacken und die Schultern, die Arme und Hände, den Brust-raum. Lasst auch den Bauch, den gesamten Bauchraum weich werden.

Beobachtet nun den natürlich fließenden Atemstrom. Woher wisst ihr, dass ihr atmet? Wo nehmt ihr den Atemstrom wahr? An den Nasenflügeln? Ist die Luft beim Einatmen warm oder kalt? Im Ra-chen, der Kehle? Oder ist es eher die Bewegung der Brust oder des Bauches, die ihr wahrnehmt? Was berührt und bewegt der Atem?

Beobachtet ihn ohne zu beeinflussen, nimm ihn so wahr, wie er sich dir in diesem Moment zeigt. Versucht – so gut es gelingt – in die Ausatmung zu entspannen. Lasst den Bauch weich werden.

Atmet so noch ein paar Minuten weiter.

Just this!
Ein Zen-Mönch wurde gefragt, welche geistig-religiösen Übungen er pflege.
Darauf der Mönch: Wenn ich esse, esse ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich.
Darauf der Fragende: Das ist doch nichts Besonderes, das tun doch alle.
Mönch: Nein, wenn du sitzt, dann stehst du schon. Und wenn du stehst, dann bist du schon auf dem Weg.

How to:

Versucht heute jede deiner Handlungen bewusst auszuführen – egal um welche Tätigkeit es sich handelt: Duschen, Zähneputzen, Gehen, Umgebung wahrnehmen, Essen, Sprechen, Auto fahren etc.

Du kannst dich auch auf einen Körperteil fokussieren, wie beispielsweise auf die Hände. Unsere Hände sind ein absolutes Multifunktionswerkzeug. Sie sind sehr sensibel, hoch komplex und üben präzise Handgriffe aus. Die Liste der Tätigkeiten, die ihr täglich mit euren Händen ausführt ist, ist sehr lang.
Nehmt euch einen Moment Zeit und spürt in eure Hände hinein: Was tun sie gerade, wie fühlen sie sich an, was berühren sie? Was nehmt ihr über die Hände wahr? Ist es warm oder kalt? Weich oder hart? Wie fühlt sich die Hand von innen an? Pulsierend, warm, weit?
Berührt eure Fingerspitzen nacheinander: Daumen auf kleinen Finger, Daumen auf Ringfinger, Daumen auf Mittelfinger, Daumen auf Zeigefinger etc. Das ist sogar eine sehr schöne und konzent-rationssteigernde Mudra aus dem Kundalini Yoga.
Berührt und umschließt, knetet die Finger der jeweils anderen Hand, die Handfläche, den Handrü-cken…
Macht das mehrere Mal am Tag und seid dankbar für dieses wundervolle Meisterwerk der Natur, die uns Tag ein Tag aus wertvolle Dienste erweist.

Bis dahin, bleibt gesund!

Cornelia Nyhof/ Referentin fobi: aktiv

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